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Einmal ans andere Ende der Welt, bitte! Von Dresden bis nach Neuseeland soll unsere Reise per Rad gehen und uns in den nächsten zwei Jahren durch 17 Länder führen. Inzwischen sind wir in China unterwegs!

Was uns lockt? Zu Hause ist es schon so wunderbar ... da muss es doch woanders auch schön sein und es ist noch so viel Welt übrig. Das wollen wir uns ganz in Ruhe ansehen. Seid an dieser Stelle herzlich eingeladen, mit uns um die halbe Welt zu reisen! Lest unsere Berichte, schaut Euch die Fotos an und schreibt uns. Unser Gästebuch ist immer das erste, was wir lesen und wir freuen uns auch in der Ferne über Post von zu Hause!

Und denkt daran: unsere Spendenaktion rollt im zweiten Jahr der Reise zugunsten von Grundschulen in Laos! Um eine Postkarte von uns zu bekommen und damit Gutes zu tun, stehen Euch verschiedene Kilometerpatenschaften zur Verfuegung. 
 

Dankeschön und Auf Wiedersehen

Nicht mehr lange und das erste Jahr unserer Reise ist bald um ... weil wir uns dann wahrscheinlich wieder fernab des Netzes in irgendwelchen unwirtlichen Berglandschaften befinden, sagen wir an dieser Stelle ...
 
 
... all denen, die unsere Reise begleiten, die uns mit lieben Grüßen erfreuen, uns mit allen möglichen Nachrichten von zu Hause auf dem Laufenden halten und uns egal, wie weit weg wir auch sind, immer wieder das Gefühl geben, irgendwo zu Hause zu sein.
 

... vor allem aber auch den zahlreichen Kilometerpatinnen und -paten, die unsere Spendenaktion zugunsten des Mädchenfonds von Plan unterstützt haben. Binnen einen Jahres habt ihr 1.857 € gespendet und damit unsere kühnsten Hoffnungen übertroffen!
Nun haben wir lange herumgegrübel und beraten, wie es weitergehen soll ... und schließlich entschieden, das zweite Jahr unserer Reise einem anderen Projekt zu widmen. Die Projektländer von Plan liegen nun quasi vor unserem "Zelteingang" und wir haben uns mit Unterstützung von Plan ein Projekt ausgesucht, das wir dann tatsächlich auch vor Ort besuchen können, um zu sehen, was denn eigentlich mit Euren Spendengeldern so gemacht wird.
Daher radeln wir im zweiten Jahr zu Gunsten von Grundschulen in Laos und hoffen, dass Ihr auch weiterhin so versessen auf unsere Karten seid und wir vielleicht wiederum knapp 2.000 € sammeln können.
(Ihr seid natürlich herzlich gerne eingeladen, den winzigen fehlenden Rest für die Mädels dieser Welt zu ergänzen - der "Countdown" läuft bis zum 31. August, zwinker).
 

China - Jiayuguan 21.08.2010

Zu seinem Geburtstag hatte sich Tobi Rückenwind gewünscht - aus unerfindlichem Grund ist daraus nichts geworden. Den ganzen Tag blies uns auf hundert Kilometern Länge ein steter, heißer Wind entgegen. So wie schon an den Tagen zuvor, und wie am nächsten Tag und am übernächsten und sowieso und überhaupt. Der Wind ist unser ärgster Feind in der Wüste.

Als wir nach einigen Tagen schließlich die Oase rund um Dunhuang erreichen, atmen wir erleichtert auf und saugen die frische, feuchte Luft in uns ein, die schwer nach Wäldern und Feldern duftet. Im Schatten riesiger Bäume rollt es sich am frühen Abend leicht dahin und wir genießen die letzten Kilometer zurück in die Zivilisation. Über die Oase und die Stadt hinweg können wir eine riesige Düne erkennen, die so groß aussieht, wie die daneben stehenden Berge. Neben der Düne befindet sich das Museumsgelände der Mogao-Höhlen. Hundert Höhlen sind in den sandigen Felsen gekratzt und mit Wandmalereien und Statuen ausgestattet. Es handelt sich um einen heiligen Ort des Buddhismus, der seit über anderthalbtausend Jahren zu Gebet und Meditation einlädt. Auch heute noch werden vor der größten Höhle Räucherstäbchen entzündet und Menschen verneigen sich rhythmisch im Gebet. Die meisten sind jedoch gekommen, um als Touristen das Unesco Weltkulturerbe zu besichtigen. In einer Führung bekommen wir leider nur zwölf Höhlen gezeigt, dennoch hinterlassen sie einen bleibenden Eindruck. In der ersten Höhle, die wir betreten, erhebt sich vor uns die gigantische Statue eines Buddhas. Wir müssen den Kopf in den Nacken legen, um sie aus unserer Winzlingsperspektive betrachten zu können. Dreißig Meter hoch und regelrecht eingesperrt in diese Höhle; man möchte die Mauern einreißen und dem Buddha einen freien Ausblick auf die heiße Wüstenlandschaft schenken. Aber das wäre sein Verderben, Wind und Wetter, Wasser und Licht, Sand und Salz sind die größte Gefahr für die Buddha-Höhlen. Im Schutz der abgeriegelten Wände haben sich an den Wänden phantastische Malereien in erstaunlich intensiven Farben erhalten – Buddha und seine Begleiter, mythische Figuren und Geschichten, aber auch Szenen aus dem Alltagsleben und dem Krieg. Damit das so bleibt, dürfen Besucher nur eine begrenzte Anzahl der Höhlen betreten und fotografiert werden darf überhaupt nicht.

Die Mogao-Bilder stammen aus den Höhlenrekonstruktionen im angegliederten Museum.

Von Dunhuang aus führt unser Weg nach Jiayuguan, wo wir am nächsten Tag unser Visum verlängern müssen. Wieder einmal sind wir also auf den Bus angewiesen, wenn wir rechtzeitig in der Stadt ankommen wollen – ob es uns nun gefällt oder nicht. Immerhin sind Busfahrten auch jedes Mal ein Erlebnis für sich. Schon beim Fahrscheinkaufen fängt es an, denn wie sehr wir uns auch bemühen, aber „Jiayuguan“ können wir offensichtlich niemals verständlich genug aussprechen. Und den komplizierten Fakt, dass wir zwei mit zwei Fahrrädern und mehreren Taschen am nächsten Tag den Bus in die unaussprechliche Stadt nehmen wollen, bekommen wir gar nicht erst in einen Satz gebastelt. Also verlegen wir uns darauf, mit abgemalten chinesischen Schriftzeichen, regelrechten Comicstrips und Pantomimen zu erklären, was wir gerne hätten. Die halbe Busstation amüsiert sich über uns und freut sich, als wir am nächsten Morgen mit Sack und Pack auf dem Parkplatz einrollen. Der Einzige, der nicht Bescheid weiß, ist der Busfahrer … und so müssen wir aufs Neue mit ihm über den Aufpreis für das Gepäck verhandeln. Aber nichts ist unmöglich und so sitzen wir nach einigem Hin und Her im Bus und erreichen rechtzeitig Jiayuguan, um dort unser Visum verlängern zu lassen.

Während unsere Pässe beim „Public Security Bureau“ liegen und auf einen neuerlichen Visumsstempel warten, haben wir ausgiebig Zeit, Jiayuguan und seine Umgebung zu besichtigen. Die Stadt ist in übersichtlichen Planquadraten und Straßenzügen angelegt, so dass wir uns zugleich schnell zurechtfinden und dennoch die Orientierung verlieren. Die meisten Straßen sind unheimlich breit, mit extra Spuren für die vielen Zweiräder, die durch die Stadt wuseln. Überall ist Bewegung und Lärm, überall gibt es Läden und Werkstätten. Ein Sattler mit einer Handnähmaschine sitzt an der Ecke eines Handyshops; vor jedem Laden steht eine Kühltruhe für Getränke, während über den Fleischständen auf dem Markt die Fliegen mit ein paar Wedeln verscheucht werden. Moderne und technisches Mittelalter liegen dicht beieinander und wir schauen uns das lebendige Treiben begeistert an. Wenn wir Hunger haben, suchen wir einen der vielen Basare auf, wo es tausenderlei verschiedene Dinge zum Essen gibt. Für umgerechnet einen Euro bekommen wir Nudeln aller Art in scharfen Sesam-Soja-Knoblauch-Soßen. An anderen Ständen gibt es Tofu-Spieße, Meeresfrüchte und gebratene Tiere (komplett mit Kopf oder Huf, je nach Art), die wir lieber nur fasziniert betrachten.

Wer einen Einblick in unsere kulinarischen Abenteuer bekommen möchte kann sich hier ein Video herunterladen (mit rechter Maustaste auf den Link klicken und "Ziel speichern unter" wählen - das Video ist recht groß, es kann also eine ganze Weile dauern - sorry, aber Youtube ist in China gesperrt).

Ein paar Kilometer außerhalb der Stadt liegt ein beeindruckendes Fort, an dem die Große Chinesische Mauer endet. Nun haben wir also endgültig chinesischen Boden betreten! In den Bergen zieht sich ein besonders schmuckes Stückchen Mauer die Hänge hinauf. Ursprünglich war es im 16. Jahrhundert errichtet worden, da es aber vor etwa 20 Jahren restauriert wurde, kann man heute auf einem sehr gepflegten Mauerkranz entlangspazieren und den Ausblick auf das ehemalige In- und Ausland genießen. Wir machen einen netten kleinen Ausflug am Abend zu der Mauer, stärkeren Eindruck hinterlassen jedoch die Mauerreste, die als verkrustete, lehmige Klumpen in der Wüste rundum Dunhuang zu sehen waren - zeugen sie in ihrem verfallenen Zustand doch noch viel mehr von Vergänglichkeit und Geschichte.

Sobald wir unsere Reisepässe wieder in den Händen haben, werden wir ein – hoffentlich – letztes Mal den Bus nehmen. Um kostbare Visumszeit zu sparen, geht es also zügig weiter von Jiayuguan nach Xinin. Dann können wir endlich wieder auf die Räder steigen und unsere Reise kann wieder das werden, weswegen wir in Deutschland gestartet sind: eine Radtour, mit all ihren Mühen, aber auch mit all ihren besonderen Erlebnissen. Von Xining aus wollen wir innerhalb der nächsten vier Wochen Shangrila (heute offiziell Zongelila) erreichen, wo wir ein letztes Mal unser China-Visum verlängern müssen. In den abgelegenen Gebirgsregionen werden wir fernab der Erdrutsch- und Überschwemmungsgebiete in Richtung Süden und entlang der Grenze zum autonomen Gebiet von Tibet fahren. Vor uns liegen also wieder ungefähr 2.000 km, aber diesmal im Gebirge – und wieder einmal geht es richtig, richtig hoch hinauf!

 Die letzten Bilder aus China findest Du hier.

 

China - Turpan 10.08.2010

2.200 Kilometer in 22 Tagen - klingt nach einer einfachen Rechnung. Mit einem schweren Reiserad in der heißesten Zeit des Jahres am Rande einer Wüste entlang, ist aber doch ein bißchen mehr als das.

Dennoch starten wir in Kashgar mit dem eisernen Willen, es zu versuchen, denn immerhin wollen wir selbst er-fahren, wie weit die andere Seite der Erde von zu Hause entfernt ist. Unser China-Visum sitzt uns dabei momentan etwas „im Nacken“: 30 Tage haben wir und können das Visum zweimal im Land verlängern. Das macht im besten Fall 90 Tage, um die laotische Grenze im Süden Chinas zu erreichen. So haben wir also gerechnet und gezählt und geplant, welche Städte wir zur Verlängerung der Visa wann erreichen müssen. Eines ist klar: die herrliche Rumbummelei, die wir uns in Zentralasien angewöhnt haben, ist vorbei; nun heißt es „Kilometer schrubben“. Am ersten Tag nach Kashgar gelingt uns das auch ganz gut, 110 Kilometer trotz späten Starts und Gegenwind. Am zweiten Tag wird es schon schwerer. Der Wind nimmt zu und wird auch immer „gehaltvoller“. Als er sich schließlich in einen Sandsturm verwandelt, erreichen wir zum Glück gerade einen der seltenen Orte, die mit Garküchen und Läden nahezu jeden Reisenden auf dieser Strecke zum Halten bringt. Und während wir mit zusammengekniffenen Augen beobachten, wie der Sand die Melonenhändler umwirbelt und die Köche ihre aufgehängten Schafhälften einpacken, fällt ziemlich schnell die Entscheidung über unser weiteres Fortkommen. Ein Kampf gegen den Sandsturm erscheint uns zu mühsam und zu riskant (die Truckfahrer würden uns ja nicht mal mehr erahnen). Nach einer Stunde des Wartens und Fragens finden wir tatsächlich einen Bus, der uns mitnehmen kann. Lutz und Täve und unsere (scheinbar tausend) Taschen passen ganz gut in ein Gepäckfach und wir bekommen zwei Betten ganz vorne im Bus zugewiesen. So können wir auf den nächsten 800 Kilometern die Aussicht auf das genießen, was wir (nicht) verpassen: die Straße führt schnurgerade aus in einer flachen, wüsten Landschaft. Das immerhin farbenfrohe Tianshangebirge auf der linken Seite ist im sandigen Dunst der Wüste kaum zu erkennen. In der Nacht muss der Bus wegen Sandsturm auf offener Strecke halten; wir beglückwunschen uns zu unserer Entscheidung und drehen uns auf den winzigen Busbetten auf die andere Seite. 800 Kilometer im Schlaf – herrlich!

Gleich nach der Ankunft in Korla am nächsten Morgen steigen wir wieder auf die Räder und machen uns weiter auf den Weg in Richtung Nordosten. Und auch dort sind noch genug wüste Landstriche für uns „übrig“. Zunächst ist es nur langweilig, heiß und trocken, aber später durchqueren wir einen Ausläufer des Tianshangebirges, wo Steine über Steine uns durchaus noch beeindrucken können. Ab und zu treffen wir auf Dörfer, die entweder mit ihren verstaubten Garküchen und Läden an Wildweststädte erinnern oder (als Kontrastprogramm) in saftig grünen Oasen liegen, wo Melonen und Weintrauben geerntet werden. Je weiter wir vorankommen, umso heißer wird es. In der Turpansenke (die z.T. unter dem Meeresspiegel liegt) ist es vor Hitze kaum noch auszuhalten. Wir messen 43,5 ° Grad im Schatten einer Garküche, in der wir durstig auf die Kühltruhe voller Wasser und Cola zustürzen – unvorstellbar, dass es zur selben Zeit in anderen Teilen Chinas, der Welt, ja sogar mal wieder zu Hause zu viel Wasser geben könnte!

Nach sechs Radeltagen mit Gegenwind und großer Hitze legen wir eine Pause in Turpan ein, um abzukühlen und auszuruhen vor der nächsten Etappe nach Dunhuang, wo wir die buddhistsichen Mogao-Höhlen besuchen wollen. Doch zunächst einmal startet morgen auch der muslimische Fastenmonat Ramadan und wir sind schon sehr gespannt, ob und wie sich das auf den Alltag hier auswirkt. Denn die Provinz Xinjang, in der wir uns momentan bewegen, ist zu fast 50 % von Kirgisen und Uiguren bewohnt und daher muslimisch geprägt. Allerorten sieht man muslimische Friedhöfe und hübsche, kleine Moscheen, von deren Dächern die Muezzine (ohne Mikrofon - ah, wie angenehm) zum Gebet rufen. Die Frauen tragen Kopftücher und die Männer begrüßen sich mit "Salam Aleikum", statt mit "Ni Hao"und ein äußerst beliebtes Plakat zeigt dieses kleine weinende, betende Mädchen vor der Moschee in Mekka, das unsere Reise nun schon seit 10 Monaten begleitet.

Die ersten Bilder aus China findest Du hier

 

China - Kashgar 01.08.2010

Als uns Yong das erste Mal in einem Straßenrestaurant Essstäbchen in die Hand drückte, müssen wir beide ein ziemlich verdutztes Gesicht gemacht haben. DIESEN Aspekt der chinesischen Kultur hatten wir bislang überhaupt nicht bedacht! Also bemühten wir uns ganz tapfer unser Lahman (ausgerechnet Spagetti!) ohne allzugroße Sauereien irgendwie in uns hineinzuschieben.

Inzwischen klappt das mit den Essstäbchen ganz gut, denn mit Hilfe der leckeren und preiswerten Speisen in den chinesischen Garküchen können wir täglich „trainieren“. Und auch sonst können wir mit unserem Start in China recht zufrieden sein. Die viel befürchtete Grenzkontrolle war für uns ein Kinderspiel, denn im „Windschatten“ von Yong und Chong, dem chinesisch-malaysischen Pärchen mit dem wir seit Tadschikistan unterwegs waren, wurden wir beinahe durchgewunken. Auch bei den ersten Orientierungsschwierigkeiten (chinesisch-arabisch-kyrillische Verkehrsschilder!) und Einkäufen halfen uns die beiden und wir lernten unsere ersten chinesischen Wörter von ihnen. Das wird sicherlich in den nächsten Wochen noch sehr spannend für uns, denn im Chinesischen „macht der Ton die Musik“. Falsche Aussprache wird auch falsch verstanden oder schlimmstenfalls nicht einmal als Versuch chinesisch zu sprechen erkannt.

Doch bevor wir uns in die unendlichen (unverständlichen?) Weiten Chinas wagen, sind wir zunächst einmal in einem gemütlichen Hostel in der Altstadt von Kashgar untergekrochen. Draußen wuselt die Stadt und rauscht der Verkehr hunderttausender Menschen auf kleinen, leisen Elektromopeds, hier drinnen herrscht das entspannte Chaos der Traveller. Nach den vielen Wochen im Gebirge haben wir und unsere Ausrüstung eine kleine Ruhepause nötig. Alles muss gewaschen, einiges muss repariert werden und auch wir haben so einigen Nachholebedarf. Und so ziehen wir immer wieder los in die Gassen und Märkte Kashgars, bis wir schließlich erschöpft (aber satt und zufrieden) in das Hostel zurückkehren und den Luxus von Strom und fließendem Wasser im Haus genießen.

Unsere nächste große Etappe wird uns nördlich um die Taklamakanwüste herumführen, bis wir auf die ersten Reste der großen chinesischen Mauer stoßen.

Die ersten Bilder aus China findest Du hier.

 
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01.09.2010

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